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Franz Schubert (1797 – 1828)
Messe G-Dur D 167 für Soli, Chor und Orchester
Schubert komponierte seine Messe G-Dur innerhalb weniger Tage zwischen dem 2. und dem 7. März 1815. Vermutlich wurde sie kurze Zeit später in der Pfarrkirche zu Wien-Lichtental erstmals aufgeführt. Im Gegensatz zu dem in Besetzung und Dimension größer angelegtem Erstlingswerk dieser Gattung fällt die G-Dur-Messe durch ihre eher kammermusikalische Haltung auf. Zum Chor treten nur drei Gesangssolisten, Streichorchester und Orgel. Schuberts Bruder Ferdinand hat das Werk später um Bläser und Pauken erweitert. Alle Sätze sind übersichtlich knapp gebaut, in denen auf nennenswerte Textwiederholungen oder Koloraturen verzichtet wird. Ein liedhafter Zug und seine berührende musikalische Sprache, die Wärme und Innigkeit ausstrahlt, bestimmen das gesamte Werk. Es legt mit seiner tief empfundenen Harmonik und seiner inneren Spannung Zeugnis von der beeindruckenden Reife des jungen Komponisten ab.

Peteris Vasis (*1946)
Dona nobis pacem für Chor und Streichorchester
„Ich will der Seele Nahrung geben. Das predige ich in meinen Werken“. Das ist das Credo des lettischen Komponisten Peteris Vasks. Er wurde als Sohn eines babtistischen Pfarrers geboren, studierte zunächst Violine, dann Kontrabass und schließlich Komposition. Der heute als freischaffender Komponist in Riga lebende Vasks zählt zu den bekanntesten Komponisten aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Er steht- wie auch der Este Arvo Pärt - für einen Zweig der Neuen Musik, die tonal und intellektualitätsfern ist. Sie wirkt emotional anrührend und trotz aller ihr innewohnenden Klage und Düsternis sogar tröstlich. Seine Kompositionen basieren überwiegend auf einem warmen, singenden, aber oft auch schrillen Klang der Streicher. Es handelt sich bei der Musik von Vasks vorwiegend um geistliche Musik, seine Werke sind sozusagen komponierte Ikonen. Ein besonders beeindruckendes Zeugnis ist das Dona nobis pacem, das in unserem Konzert von Kompositionen Schuberts und Vivaldis eingerahmt wird.
Diese drei Worte „Gib uns Frieden“ erfahren eine beeindruckende Entwicklung vom leisen Beginn bis zu einem Schluss mit größter dynamischer Spannweite. Und so ins Zentrum unseres Konzertes gestellt, sollen sie das Anliegen aller Konzertbeteiligten ausdrücken.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Divertimento F-Dur KV 138 für Streichorchester
Mozarts Reisen quer durch Europa waren nur Konzerttourneen eines Wunderkindes, sie waren ebenso Studienreisen eines Komponisten. Entstanden sind die drei Divertimenti KV 136-138 für Streichorchester nach einer Italienreise im Jahre 1772 in Salzburg. Diese Werke gehören zum Populärsten aus der Feder des jungen Mozart. Es ist „Unterhaltung“ auf höchstem Niveau, die Musik kommt leicht, aber nicht leichtfertig daher, sie wirkt schwungvoll und in ihrem Tonfall entspannt und heiter. Sowohl in seiner Gesanglichkeit als auch in den Elementen der Virtuosität, die an Vivaldi erinnern, kann man „italienische“ Indizien entdecken. Andererseits ist an diesen frühen Werken auffällig, dass sie - anders wie damals in italienischen Serenaden üblich - auf das Menuett verzichten. So finden wir hier eine Dreiteiligkeit vor mit den Sätzen
Allegro - Andante - Presto.

Antonio Vivaldi (1678 – 1741)
Magnificat RV 610 (1. Version) für Soli, Chor und Orchester
Antonio Vivaldi - hauptsächlich bekannt als der große Violinkünstler, Instrumental- und Opernkomponist der Bach-Zeit - hinterlässt auch ein bedeutendes Repertoire geistlicher Musik. Sein Priesteramt und seine Stellung als langjähriger musikalischer Leiter am Ospedale della Pietà, einem großen Waisenhaus in Venedig, bringen ihm Verpflichtung und Anregung für ein vielseitiges kirchenmusikalisches Schaffen mit Werken von höchstem künstlerischen Rang. Das Magnificat, in der Zeit zwischen 1713 und 1717 entstanden, ist in zwei Fassungen überliefert, die offensichtlich von verschiedenen Aufführungsgegebenheiten herrühren. In der ersten (wohl ursprünglichen) Fassung dominiert die chorische Konzeption, die Solo-Sätze sind kürzer und stets mit einem Ensemble besetzt. Ungeachtet des besonderen Charmes, den ein Stück wie das „Esurientes“-Duett verströmt, ist zu bemerken, dass die eindringlichsten Wirkungen von den auch der Zahl nach überwiegenden Chorsätzen ausgehen. Das gilt von der überschwänglichen Geste des eröffnenden „Magnificat“ bis zum „Et misericordia“, welches, durch dichte Kontrapunktik und expressive Spannungsharmonik geprägt, man als das Kernstück der Komposition bezeichnen könnte. Von dem abschließenden „Gloria Patri“, das mit den Worten „et saecula saeculorum“ einmündet, schlägt der Komponist den Bogen zurück zum Beginn des Werkes.