Dresdner Neueste Nachrichten, 13.10.2020, von Mareile Hanns

concentus vocalis Dresden in St. Petri

Die hiesige Musikszene wird nicht nur durch die großen, professionellen Orchester und Chöre geprägt, sondern auch und entscheidend durch die vielen kleinen, die Laienensembles und Kantoreien, die mehr oder weniger aus privater Initiative gespeisten Konzertreihen. Sie haben es ohnehin nicht leicht – etwa aus finanziellen Gründen, weil es an Nachwuchs fehlt usw. Und in diesen Corona-Zeiten ist alles noch schwerer. Insofern gilt allen, die durchgehalten haben, ihren Mut und ihre Liebe zur Musik behielten und jetzt mit neuen Projekten starteten, unsere uneingeschränkte Hochachtung und Bewunderung.

In diese Reihe gehört auch der Chor concentus vocalis Dresden – ein Ensemble, dass einige Unbill zu bewältigen hatte, sich 2016 neu gründete und nun unter der Leitung von Florian Mauersberger steht. Das jetzt in St. Petri gesungene Programm geht auf eine Idee zurück, die bereits im Sommer zur Ausführung kommen sollte. Im Zentrum steht britische, geistliche Musik und zwar solche, die in den traditionellen Abendgottesdiensten des Empires zuhause ist. Ralph Vaughan Williams gilt als ein wichtiger Vertreter der English Musical Renaissance. Wegbereiter dafür war u.a. Charles Hubert Hastings Parry. Chorwerke beider Komponisten erklangen nun hier. Wenn man bedenkt, wie abenteuerlich die Probenmöglichkeiten in den letzten Monaten waren, ist die erbrachte Leistung nur erstaunlich. So einfach singen sich weder Vaughan Williams noch Parry nicht! Zusammen mit einem Orchester Dresdner Musiker huldigte man mit Genuss und Können üppiger Klangpracht und ausdrucksmäßiger Plausibilität. Sicher gab es mit der Intonation oder der Textverständlichkeit hin und wieder Probleme. Aber Florian Mauersberger und sein Chor sind auf einem guten Wege. Und nur das zählt! Ralph Vaughan Williams riesiger Lobgesang „Benedicte“ lebt von hymnischer Erhöhung und dynamischen Kontrasten. Damit kam der Chor gut zurecht. Mit ihrer schönen, schlanken Stimme passte sich die Solistin Kerstin Döring gut hinein. Die Schnörkellosigkeit, das sich schlichte Hineinvertiefen in Benjamin Harlans „Be still my soul“ zeichnete die Sängerin an diesem Abend besonders aus. In schönem, abgerundetem Ensembleklang und auch hier intensiver Gestaltung brachten concentus vocalis Dresden zudem Parrys prächtigen Lobgesang, das Magnificat in F, zu Gehör.